Atommüllendlager Bözberg

Das Problem: Jede Gemeinde agiert für sich allein

Still und ruhig liegt eine Schicht Opalinuston unter der Gemeinde Bözberg. In Würenlingen und in den nahen Atomkraftwerken wird Atommüll „zwischengelagert“. Weil die Strahlung tausende von Jahren eingeschlossen werden muss, möchten die NAGRA und das Bundesamt für Energie den Atommüll in einem „geologischen Tiefenlager“ unter dem Bözberg „versorgen“.

Die von der NAGRA vorgesehenen „Lagerperimeter“ rutschen immer weiter Richtung Villigen, wo der Beginn des Zufahrtsstollen (=Standortareal Oberflächenanlagen) geplant ist. Ein Kranz von Sondierbohrungen rund um die Gemeinde Bözberg soll in den nächsten Jahren lokale Aufschlüsse über die Beschaffenheit des Untergrundes geben.

Die Bevölkerung der Region zwischen Villigen und Bözberg West ist ruhig, weil sie es aus der Geschichte so gewöhnt ist. Sie lässt sich von der Propaganda der und einer domestizierten „Regionalkonferenz Jura-Ost“ der NAGRA gängeln. Deren Mitglieder, willkürlich ausgewählt, bezahlt, zum Schweigen verpflichtet und kommunikativ intensiv betreut haben weder eine demokratische Legitimation noch eine eigene Glaubwürdigkeit in der Sache.

Die Ansinnen der NAGRA für ein Atommüllendlager Bözberg schaden dem Ruf der Region schon heute, lange bevor eine allfällige Bewilligung überhaupt konkret wird. Die Region profitiert praktisch nichts und die Einflussmöglichkeiten sind bescheiden. Jede Gemeinde (Gemeinderäte, Gemeindeversammlungen) agieren für sich allein, wie es der Tradition, der Geschichte, dem Neid und dem Eigennutz entspricht. Sie machen es der NAGRA einfach. Die NAGRA und ihre Kommunikatoren haben deshalb leichtes Spiel.

Die in der Sache engagierten Vereine nehmen (statutengemäss) eigene Haltungen ein. Sie können nicht für Gemeinden sprechen. Es gibt weder eine Zeitung noch eine Organisation, die zum Zusammenhalt des Gebiets beitragen könnte. Der Kanton ist Partei und selber an der Produktion von Atommüll mitbeteiligt.

Vorschlag


Vorschlag: Regionaler Beirat NAGRA – zur Wahrung der Interessen der Gemeinden

Die Gemeinderäte können für besondere Aufgaben Kommissionen einsetzen. Unter der Führung des Gemeinderates von Bözberg, der Gemeinde über dem ruhigen Opalinuston, wird neu die Kommission „Regionaler Beirat NAGRA“ gegründet. Bözberg, Villigen und Riniken, die mit grosser Wahrscheinlichkeit von einem „Lagerperimeter“ betroffen sind, wählen 3 Mitglieder. Alle andern Gemeinderäte im „Geologischen Standortgebiet“ (Brugg, Villnachern, Remigen, Mönthal, Effingen, Elfingen, Zeihen, Herznach, Ueken, Hornussen, Kaisten, Laufenburg, Gansingen) bestimmen 2 Mitglieder.

Der Regionale Beirat NAGRA berät die Gemeinderäte bezüglich der Interessen der Gemeinden (Sicherheit, Nachteile, Anliegen der Bevölkerung, Möglichkeiten des Ausgleichs und des Vorgehens). Der Beirat wirkt darauf hin, dass die Gemeinderäte/Gemeinden in Sachen Atommüllendlager eine einheitliche Haltung einnehmen können.
Die Mitglieder dürfen in keinem Arbeitsverhältnis zur NAGRA und zu Atomanlagen im weitesten Sinne stehen. Die Kommission konstituiert sich selbst. Sie legt den Gemeinderäten ein Pflichtenheft zur Genehmigung vor und erstattet jährlich Bericht.

Einladung an die Gemeinderäte

Sehr geehrte Damen und Herren

Angesichts der Grösse und der möglichen Auswirkungen des Vorhabens macht es keinen Sinn, wenn jede Gemeinde für sich agiert oder sich dem Schicksal ergibt. Das Gefälle zwischen den Gemeinden, die vom Geldsegen der Atomanlagen profitieren und denjenigen, die nur unter dem schlechten Ruf zu leiden haben, muss vermindert werden. Das geht nur mit einer einheitlichen Haltung der betroffenen Gemeinden.

Die NAGRA konzentriert ihre Suche (Bohrkampagne) nach einem Standortgebiet für ein geologisches Tiefenlager auf die Region Bözberg. Das ist logisch, liegen doch die atomaren Abfälle im Zwilag in Würenlingen und bei Atomkraftwerken in der Region (nur Mühleberg ist etwas weiter entfernt). Zur Suche nach dem Standortgebiet mit dem angeblich sichersten Ort der Schweiz haben die Gemeinden mit Opalinuston im Untergrund offiziell nichts zu sagen

Ich rufe die Gemeinderäte eindringlich auf: Strebt eine gemeinsame Haltung und gemeinsame Forderungen gegenüber den Ansinnen der NAGRA an. Wenn wir das nicht schaffen geht es wie bisher: Jeder schaut für sich schaut, es ist für alle geschaut, aber erreicht haben wir nichts.

Heiner Keller
23. November 2016