Untersuchungen und Anlagen schaden dem Bözberg

Jahrzehntelang hat sich die Bevölkerung an die Atomkraftwerke, die Annehmlichkeiten des grenzenlos verfügbaren elektrischen Stroms und die beträchtlichen Steuereinnahmen (Standortgemeinden und Kantone) gewöhnt. Irgendeinmal aber lässt sich die Frage: Was machen wir mit dem zwischengelagerten Atommüll? nicht mehr aufschieben.

Jetzt sind die Untersuchungen (Sondierbohrungen) der Nagra erneut auf dem Bözberg angekommen (Bohrplatz Bözberg 1). Zur unseligen Geschichte der Nagra (www.nagra.ch) siehe www.g20.ch.

Bild vom grossen Bohrplatz Bözberg 1: Beginn der Arbeiten für die Sondierbohrungen in aussichtsreicher Lage über dem Aaretal. Der später betriebene und beleuchtete Bohrturm wird neben der Habsburg zu einem nächtlichen Wahrzeichen des Bözbergs.

Beginn der Arbeiten für die Sondierbohrungen in aussichtsreicher Lage über dem Aaretal. Der später betriebene und beleuchtete Bohrturm wird neben der Habsburg zu einem nächtlichen Wahrzeichen des Bözbergs.

Bohrplätze und Anlagen des geplanten Atommüll Tiefenlagers unter dem Bözberg füllen und beanspruchen viel freien Raum an der Oberfläche. Ein Augenschein in Frankreich zeigt die Anforderungen ganz eindrücklich: Es braucht viel mehr Platz und eine viel geringere Siedlungs- und Nutzungsdichte, als sie auf dem Bözberg vorhanden ist.

Wenn man glaubt, man könne in die verhältnismässige wenig besiedelte Landschaft zwischen Brugg und Frick ohne Folgen, immer weitere Bauten, Zäune und Strukturen einbringen, dann ist das ein Irrtum. Planung und Ausführungen stören und beeinträchtigen damit den letzten Freiraum zwischen den Siedlungs- und Agglomerationsbreis von Zürich und Basel.

Studienreise nach Frankreich bringt Eindrücke, was in der Landschaft des Bözbergs passieren könnte

Tiefenlager für hochaktive Abfälle (https://meusehautemarne.andra.fr/)

In Bure F, 235 km Luftlinie nordwestlich vom Bözberg entfernt, sind die Arbeiten im Bereich des Tiefenlagers für Frankreichs hochaktive und langlebige mittelaktive atomare Abfälle weit fortgeschritten: Seit 25 Jahren betreibt die Andra (Agence nationale pour la gestion des déchts radioactifs, also das französische Pendant zur Nagra,) in einer Tongesteinsschicht des tektonisch stabilen Pariser Beckens, 450 m unter der Oberfläche, das Versuchslabor (Projekt Cigéo = Centre industriel de stockage géologique). Der Besuch des Stollensystems zeigte eindrücklich: Die konkreten Fragen zu Bohrtechniken, Geologie, Veränderungen durch Luftzufuhr (Austrocknung des Gesteins), Druckentlastungen und Umlagerungen der Gebirgspannung infolge Stollenausbruch, Sicherheit der Arbeiten, technische Lösungen für Behälter, Einlagerung, Überwachung können bzw. müssen letztlich zwingend vor Ort, unter Tage abgeklärt werden. Frankreich ist offenkundig auf dem Weg einer machbaren, den Anforderungen an Sicherheit und Reversibilität genügende Lagerung so weit fortgeschritten, dass in unmittelbarer Nähe des Versuchslabors (das weiterhin in Betrieb bleibt) je eine Fläche für die Umlade- und Zulieferungsanlagen (mit Bahnanschluss und Seilbahn ins Tiefenlager) sowie für die umfangreichen Oberflächenanlagen (mit je gegen 300 ha Fläche) rechtlich ausgeschieden, gesichert und vorbereitet sind.

In der Landschaft beeindruckten bei allen Anlagen Weite und „Menschenleere“. Die Besiedlungsdichte ist weit über 10 Mal geringer als rund um den Bözberg. Und die Bevölkerung auf dem Land nimmt weiter ab. Alle Anlagen sind mit Zäunen, Überwachungssystemen und Personal massiv gesichert. Sie sind flächenmässig sehr grosszügig ausgelegt (Sicherheit) und grenzen nirgends an Ortschaften oder Infrastrukturanlagen.

Gruppenbild der Delegation von Pro Bözberg im Versuchslabor der Andra (Agence nationale pour la gestion des déchets radioactifs) rund 450 Meter unter der Erdoberfläche in einem Stollen des Felslabors Bure (Frankreich, Dépt. Meuse/Haute-Marne).

Foto 1: Atommüll Tiefenlager Bure F. Gruppenbild der Delegation von Pro Bözberg im Versuchslabor der Andra (Agence nationale pour la gestion des déchets radioactifs) rund 450 Meter unter der Erdoberfläche in einem Stollen des Felslabors Bure (Frankreich, Dépt. Meuse/Haute-Marne).

Räumliche Situation der projektierten Anlagen für das Tiefenlager für hochradioaktive und langlebige Atomabfälle (Projekt Cigéo = Centre industriel de stockage géologique) Laboratoire souterrain: Seit 25 Jahren betreibt die Andra an diesem Standort ein Tiefen-Felslabor.

Foto 2: Atommüll Tiefenlager Bure F: Räumliche Situation der projektierten Anlagen für das Tiefenlager für hochradioaktive und langlebige Atomabfälle (Projekt Cigéo = Centre industriel de stockage géologique)
Laboratoire souterrain: Seit 25 Jahren betreibt die Andra an diesem Standort ein Tiefen-Felslabor.
Espace technologique: Neues Informationszentrum im Bereich der vorgesehenen Oberflächenanlagen (Zone de réception).
Ecothèque: Einrichtungen für die Überwachung von Umwelt und Landschaft (Oberfläche) auf total 900 km2.
Zone de réception: Einrichtungen für Anlieferung (Zug), Abfertigung und Transport ins Tiefenlager (Standseilbahn). Fläche ca. 300 ha.
Zone de travaux et de creusement : Oberflächenanlagen über dem künftigen Tiefenlager. Fläche ca. 300 ha. Die Distanz zwischen Bure und Bonnet beträgt etwa 6 km.

Das Stollensystem des Versuchslabors ist weitläufig in einer Tongesteinschicht aus der Jurazeit („Callovo-Oxfordien“) ausgelegt. Diese Gesteinsformation gilt aufgrund ihrer Eigenschaften (Sorptions- und Abdichtungsvermögen, Mächtigkeit) als präferenzielle Option für die Einlagerung der hochradioaktiven Abfälle. Das Labor dient der fortlaufenden Charakterisierung des „Wirtgesteins“ vor Ort, insbesondere seines bergbautechnischen Verhaltens sowie dem Testbetrieb der Einlagerung im Massstab 1:1.

Foto 3: Atommüll Tiefenlager Bure F: Das Stollensystem des Versuchslabors ist weitläufig in einer Tongesteinschicht aus der Jurazeit („Callovo-Oxfordien“) ausgelegt. Diese Gesteinsformation gilt aufgrund ihrer Eigenschaften (Sorptions- und Abdichtungsvermögen, Mächtigkeit) als präferenzielle Option für die Einlagerung der hochradioaktiven Abfälle. Das Labor dient der fortlaufenden Charakterisierung des „Wirtgesteins“ vor Ort, insbesondere seines bergbautechnischen Verhaltens sowie dem Testbetrieb der Einlagerung im Massstab 1:1.

Alle Anlagen befinden sich ausserhalb bewohnter Gemeinwesen in freier Landschaft. Die Besiedelung ist dünn, die Bevölkerungszahlen tendenziell sinkend.

Foto 4: Atommüll Tiefenlager Bure F: Der Empfang beim Laboratoire souterrain (Tiefen-Felslabor )der Andra ist freundlich, der Eingangsbereich aber stark gesichert.

Alle Anlagen befinden sich ausserhalb bewohnter Gemeinwesen in freier Landschaft. Die Besiedelung ist dünn, die Bevölkerungszahlen tendenziell sinkend.

Foto 5: Atommüll Tiefenlager Bure F: Alle Anlagen befinden sich ausserhalb bewohnter Gemeinwesen in freier Landschaft. Die Besiedelung ist dünn, die Bevölkerungszahlen tendenziell sinkend.

Alle Anlagen sind von Zäunen teilweise doppelt umgeben. Sie erfordern einen ständigen und aufwendigen Unterhalt.

Foto 6: Atommüll Tiefenlager Bure F: Alle Anlagen sind von Zäunen teilweise doppelt umgeben. Sie erfordern einen ständigen und aufwendigen Unterhalt.

Nur bewachte Zäune schützen wirklich. Zäune stehen rund um die Uhr im Blickwinkel der Überwachungsanlagen und patrouillierender Mannschaften der Sicherheitsdienste.

Foto 7: Atommüll Tiefenlager Bure F: Nur bewachte Zäune schützen wirklich. Zäune stehen rund um die Uhr im Blickwinkel der Überwachungsanlagen und patrouillierender Mannschaften der Sicherheitsdienste.

Die ganzen Anlagen werden nachts beleuchtet. Der Bohrplatz 1 auf dem Bözberg wird ab nächstem Jahr (Bohrbeginn) ein entsprechendes Beispiel in die Region bringen.

Foto 8: Atommüll Tiefenlager Bure F: Die ganzen Anlagen werden nachts beleuchtet. Der Bohrplatz 1 auf dem Bözberg wird ab nächstem Jahr (Bohrbeginn) ein entsprechendes Beispiel in die Region bringen.


Oberflächenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle (https://aube.andra.fr/activites/stockage-des-dechets-de-faible-moyenne-activite-vie-courte/le-centre)

Die angelieferten, in der Regel bereits lagergerecht konditionierten Abfallgebinde werden in Erdlagern bzw. in kubischen Betonbauwerken systematisch eingelagert, verschlossen und überwacht (Langzeit-Monitoring des unterirdischen Drainagesystems). Die Radioaktivität soll in spätestens 300 Jahren soweit abgeklungen sein, dass für die Umwelt keine Bedenken mehr bestehen. So lange müssen aber die Anlagen sicherheitsmässig bewacht und ihre allfälligen radiologischen Auswirkungen überwacht werden.

Die angelieferten, in der Regel bereits lagergerecht konditionierten Abfallgebinde werden in kubischen Betonstrukturen (links im Bild) systematisch eingelagert, mit Zement vefüllt, verschlossen und überwacht. Das Langzeit-Monitoring des unterirdisch verlegten, begehbaren Drainagesystems soll über eine Dauer von mindestens 200 Jahren erfolgen. Die Radioaktivität soll in spätestens 300 Jahren soweit abgeklungen sein, dass für die Umwelt keine Bedenken mehr bestehen.

Foto 9: Oberflächenlager Centre de l’Aube F: Die angelieferten, in der Regel bereits lagergerecht konditionierten Abfallgebinde werden in kubischen Betonstrukturen (links im Bild) systematisch eingelagert, mit Zement vefüllt, verschlossen und überwacht. Das Langzeit-Monitoring des unterirdisch verlegten, begehbaren Drainagesystems soll über eine Dauer von mindestens 200 Jahren erfolgen. Die Radioaktivität soll in spätestens 300 Jahren soweit abgeklungen sein, dass für die Umwelt keine Bedenken mehr bestehen.

Die flächenmässig grosszügig konzipierten Anlagen sind mit Zäunen, Überwachungssystemen und Personal gesichert und bewacht.

Foto 10: Oberflächenlager Centre de l’Aube F: Die flächenmässig grosszügig konzipierten Anlagen sind mit Zäunen, Überwachungssystemen und Personal gesichert und bewacht.

Die Umgebungsgestaltung (bis hin zur Hotelbar) sind ist teuer und modern, bleibt in ihrer Künstlichkeit indes ohne jeden Bezug zur traditionellen Kulturlandschaft der Region.

Foto 11: Oberflächenlager Centre de l’Aube F: Die Umgebungsgestaltung (bis hin zur Hotelbar) sind ist teuer und modern, bleibt in ihrer Künstlichkeit indes ohne jeden Bezug zur traditionellen Kulturlandschaft der Region.